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Rhein-Zeitung, 13.05.2013

Droht der Begegnungsstätte das Aus?

Hilfe Psychisch Kranke finden in der Kontakt- und Informationsstelle Rat und Austausch – Zuschüsse werden gekürzt

Von unserer Redakteurin

Doris Schneider

M Koblenz. Bisher wird die Kontakt- und Informationsstelle (KIS) für psychisch Kranke in der Bogenstraße mit 52 000 Euro im Jahr von der Stadt Koblenz unterstützt. Dieser Zuschuss soll nun um ziemlich genau die Hälfte zusammengestrichen werden, sagt Arne Kretzer, der sozusagen die Anlaufstelle verkörpert. Und damit ist ein Fortbestand der Einrichtung, wie sie im Moment für Kranke da ist, auf keinen Fall möglich. Mit der jährlichen Förderung in Höhe von 27 000 Euro hat sich die Stadt Koblenz der Förderung in den Nachbarkommunen (zum Beispiel in den Städten Andernach und Mayen) angepasst, so die Stadt auf Anfrage.

„Ich mache mir am meisten Gedanken um die Klienten“, sagt Kretzer. Der 37-Jährige nennt ein Beispiel: „Vor Kurzem war eine Frau bei mir, die mir gesagt hat, dass sie nicht versprechen kann, dass sie sich nicht das Leben nimmt. Ich habe sie mit ihrem Einverständnis nach Andernach in die Rhein-Mosel-Fachklinik gefahren. Wenn sie nicht einfach hätte zu uns kommen können, würde sie vielleicht nicht mehr leben.“

Zweimal in der Woche, montags und donnerstags, gibt es in den Räumen in der Bogenstraße 53 einen offenen Treff. Menschen mit psychischen Erkrankungen, aber auch andere, die nicht mehr weiterwissen, können sich hier beraten lassen oder mit anderen Menschen austauschen. Die Jüngste ist Mitte 20, die Älteste über 60, es kommen Männer und Frauen gleichermaßen zu den offenen Terminen.

Es wird Kaffee getrunken, gespielt, immer wieder gelacht, auch geweint. Außerdem bietet die KIS eine Reihe von Freizeitmöglichkeiten an, vom gemeinsamen Lauftreff bis zu regelmäßigen Frühstücks- oder Wanderterminen. Weitere Termine und Freundschaften sind daraus entstanden. „Einige Besucher haben uns klar gesagt, dass sie nicht wissen, wie sie ihren Alltag ohne den Rahmen dieser festen Termine gestalten können“, sagt der Heilerziehungspfleger.

Für Dieter Mickartz ist die Sache eindeutig: Der Leiter des Gemeindepsychiatrischen Zentrums verweist auf einen Abschlussbericht der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrischer Verbünde (BAG-GPV), in dem explizit davor gewarnt wird, die Finanzierung von niedrigschwelligen Angeboten zu kürzen, da sich das direkt auf steigende kostenträchtige Hilfen für psychisch kranke Menschen auswirke. „Es sind nicht nur freiwillige Leistungen, sondern auch aus der UN-Konvention abzuleitende Verpflichtungen“, sagt Mickartz.

In diesem Jahr soll die Kontaktstelle in der Bogenstraße noch weiter bestehen können, weil die Stadt Koblenz der Stiftung versprochen hat, anstelle der wegbrechenden Zuschüsse Stiftungsgelder einzusetzen, bestätigt Stadt-Pressesprecher Thomas Knaak. Doch spätestens im kommenden Jahr könnte der Einrichtung das Aus drohen, auch wenn die Stadt im Moment Gespräche mit der Stiftung Bethesda führt. „Psychisch Kranke haben einfach keine Lobby“, beklagt Arne Kretzer. „Wenn so etwas ist wie der Fall Robert Enke, dann halten alle inne und sagen: ,Wie furchtbar, da muss man doch was machen.' Und drei Monate später ist alles vergessen.“

Z Die Kontakt- und Informationsstelle der Stiftung Bethesda in der Bogenstraße 53 ist montags von 14.30 bis 18 Uhr und donnerstags von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Kontakt: Arne Kretzer, Telefon 0261/921 66 31, E-Mail kontaktstelle-koblenz@ stiftung bethesda.de

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