Pressespiegel

Logo

Rhein-Hunsrück-Zeitung, 19.09.2012

Depressionen gibt es überall

Vortrag Unterschiedliche Behandlung in anderen Kulturen – Bündnis klärt auf

M Rhein-Hunsrück. Die Bevölkerung über das Krankheitsbild der Depression und deren Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären, das hat sich das Bündnis gegen Depression Rhein-Hunsrück auf die Fahnen geschrieben, bei dem die Bethesda-St. Martin gemeinnützige GmbH in Boppard, die Mittelrheinklinik Bad Salzig und die Hunsrück Klinik Kreuznacher Diakonie Simmern mitwirken. Bei einem Vortrag in der Stadthalle Boppard, zu dem das Bündnis öffentlich eingeladen hatte, führte Prof. Reinhard Peukert (Wiesbaden) aus, dass die Depression auch in anderen Kulturen vorkommt und sich doch in der Wahrnehmung und Behandlung sehr von unserer Sichtweise unterscheidet.

Als Beispiele stellte Prof. Peukert muslimische und afrikanische Kulturkreise und deren Vorstellungen seelischer Erkrankungen dar, die befremdlich wirkten. In Europa ist die Wissenschaft ein sehr individuumzentriertes Erklärungsmodell. So sind Depressionen entweder die Folge einer Stoffwechselstörung im Gehirn oder bestimmter lebens- und lerngeschichtlicher Erfahrungen. In anderen Kulturen zeigen sich depressive Störungen oft mehr durch körperliche Symptome, und man versteht sie eher als Entfremdung vom Kosmos oder der Gemeinschaft.

Entsprechend sind die Behandlungsansätze völlig unterschiedlich. Psychotherapie im westlichen Sinne oder Psychopharmaka werden in anderen Kulturkreisen kaum oder anders eingesetzt. In anderen Ländern wird sehr oft die ganze Familie in den Heilungsprozess einbezogen, weise wird gemeinschaftlich für die Patienten gesungen und gebetet.

Prof. Peukert lud nach dem Vortrag zum Fragen und Diskutieren ein. Das nutzten die Zuhörer gerne – aus Interesse am Thema, bei vielen aber auch als fachliche, praxisnahe Ergänzung zum Verständnis der Depression, ist doch auch in unserer Region das Zusammenleben mit Menschen anderer Kulturen längst Alltag und somit auch Praxisalltag in vielen Arztpraxen, in der Beratung und in der Seelsorge.

Nähere Auskunft erteilt das Bündnis gegen Depression Rhein-Hunsrück bei der Bethesda-St. Martin gemeinnützige GmbH, Mainzer Straße, Boppard, Telefon 06742/874 71 02, E-Mail behindertenhilfe@stiftung-bethesda.de

< zurück