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Rhein-Hunsrück-Zeitung, 20.09.2011

Psychisch Kranke weiterhin im Nachteil

Arbeitsmarkt Situation ist für gesundheitlich eingeschränkte Personen nach wie vor kritisch

M Boppard. Unter der Überschrift „Jeder Mensch will gebraucht werden – Teilhabe und Beschäftigung für psychisch kranke und behinderte Menschen“ hatte die Stiftung Bethesda-St. Martin Fachleute in die Stadthalle Boppard eingeladen, um mit mehr als 200 interessierten Profis und Betroffenen zu diskutieren. Dr. Ulrich Krüger, Geschäftsführer der „Aktion Psychisch Kranke“ machte gleich zu Beginn seines Fachvortrags deutlich, dass Arbeit für die persönliche und psychische Stabilisierung gerade psychisch erkrankter und behinderter Menschen unverzichtbar ist.

Zunächst wies Gastgeber Werner Bleidt, Geschäftsführer der Stiftung Bethesda-St. Martin, auf die Probleme der betroffenen Menschen hin. Derzeit sind die Arbeitslosenquoten aufgrund guter konjunktureller Daten in den regionalen Agenturbezirken ebenfalls gut. Bei einer Quote von unter 5 Prozent verbessert sich die Situation der schwerbehinderten Menschen ohne Arbeit und Beschäftigung nicht oder nur unwesentlich. So muss man davon ausgehen, dass ein Viertel der Menschen im Leistungsbezug von Arbeitslosengeld II dauerhaft gesundheitlich eingeschränkt sind und am Arbeitsmarkt kaum Chancen haben.

In sechs Versorgungsregionen betreuen die Dienste der Stiftung Bethesda 363 Personen. 146 von ihnen kann zurzeit kein passendes Arbeits- und Beschäftigungsangebot gemacht werden. Im Bewusstsein, nicht gebraucht zu werden und ohne Tagesstruktur sein zu müssen, müssen diese Menschen auf ein wesentliches Element gelungener Teilhabe verzichten.

Ulrich Krüger bestätigte in seinem Fachvortrag, dass psychisch erkrankte Menschen bei momentaner guter Konjunktur weiterhin benachteiligt sind. Im Rechtskreis des Sozialgesetzbuches (SGB) II ist vom Jahr 2010 zum Jahr 2011 eine Zunahme der Hilfebedürftigen zu verzeichnen. Aber auch für diese Gruppe bleibe es das Ziel, unbefristet am Arbeitsleben teilzunehmen. Dieses kann nach Ansicht von Krüger am besten dadurch erreicht werden, dass psychisch kranke Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gefördert werden. Die Zielgruppe der „nur mit Hilfe gegebenenfalls eingeschränkt erwerbsfähigen“ Personen befindet sich gemeinsam mit den uneingeschränkt Erwerbsfähigen im allgemeinen Arbeitsmarkt.

Für Dr. Richard Auernheimer, Geschäftsführer des Vereins zur Unterstützung gemeindenaher Psychiatrie in Rheinland-Pfalz, verhindert die deutsche Definition der Erwerbsfähigkeit die Problemlösung. So gilt als erwerbsfähig nur, wer mindestens drei Stunden täglich arbeiten kann. In der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass die vorhandenen Förderinstrumente sinnvoll miteinander verknüpft werden sollten. Überbürokratisierung, insbesondere durch die Praxis öffentlicher Ausschreibungen müsse gestoppt werden. 

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