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Rhein-Zeitung, 12.07..2011

50er-Jahre-Garten weckt Erinnerungen

Projekt Vermittlung von Jobs an Langzeitarbeitslose – Erträge für die Koblenzer Tafel

M Koblenz. In die Landwirtschaft des vergangenen Jahrhunderts wird man im 50er-Jahre-Garten auf der Festung Ehrenbreitstein zurückversetzt. Das vom Europäischen Sozialfonds geförderte Projekt greift in Kooperation mit der Best gGmbH die Geschichte der 1950er-Jahre der Festung auf, als eine Familie in den Offiziersräumen wieder ein Zuhause fand und auf dem Dach Lebensmittel anpflanzte. „Das war nur möglich, weil die Festung zum Schutz vor Bomben einen Erdwall hier oben hatte“, erklärt Rudolf Stumm, Fachanleiter des Projekts.

Angebaut wurden lebenswichtige Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Bohnen, Salat oder Kohl. Diese Gemüsesorten findet man heute auch im 50er-Jahre-Garten wieder. „Vorerst musste der Hunger gestillt werden, weshalb die Bewohner sich damals auf einfache Gemüsesorten beschränkt haben. Danach kamen Kräuter wie Dill oder Schnittlauch dazu und klassische Blumen wie Pfingstrosen. Erd- und Himbeeren sowie andere Obstsorten waren die letzten Zöglinge“, erläutert Stumm.

Die Arbeit mit und an den Pflanzen wird im heutigen 50er-Jahre-Garten so realistisch wie möglich nachempfunden: Der Boden wird mit der Hacke bearbeitet, gedüngt wird mit Kompost. Mineralische Dünger kommen nicht infrage, genauso wenig wie Insektizide oder Ähnliches. Stattdessen wird auf Brennnesseljauche gesetzt. „Die stärkt die Blattfasern und macht die Pflanze resistent gegen Schädlinge“, erläutert der Projektleiter. Dafür schmecken die Produkte nachher intensiver.

Trotz der heutzutage erschwerten Verhältnisse setzt man auf Artenvielfalt: Von Bohnen bis zu Zwiebeln und Radieschen findet man die unterschiedlichsten Nahrungsmittel auf den Beeten. Wie damals wird auch hier jeglicher Platz genutzt: Da kommt es auch schon mal vor, dass Zwiebeln und Erdbeeren direkt nebeneinander stehen und eine Mischkultur bilden.

Für vier bis fünf Personen hätten die Erträge dieses Gartens ausgereicht. Viele ältere Buga-Besucher fühlen sich in ihre Kindheit zurückversetzt und erkennen in den Beeten den ehemaligen heimischen Garten wieder.

Bewirtschaftet werden die Beete von insgesamt 14 Menschen, die von der Stadt und dem Jobcenter vermittelt wurden. Die Arbeit in diesem Garten ist ein Ein-Euro-Job und soll gleichzeitig eine langfristige Perspektive für die Beschäftigten bieten. „Ich mag es, an der frischen Luft zu sein“, sagt Torsten Weiß aus Niederberg, einer der Projektteilnehmer, zu seiner Aufgabe, „außerdem habe ich schon viel über die Gartenarbeit gelernt.“ Sein Engagement geht so weit, dass er am Wochenende die Pflege der Beete sogar freiwillig übernimmt. Die Ernte geht an die Koblenzer Tafel. rab

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